
Während mancher Privat-Besitzer ein regelrechtes Landy-Tagebuch führt und einem eventuellen Nachbesitzer bereitwillig Auskunft erteilt, ist es meist recht schwierig etwas über die Vergangenheit eines Land-Rovers in Erfahrung zu bringen, der beim Militär im Einsatz war. Wenn überhaupt, so werden nur rohe Eckdaten gespeichert und an die heutigen Besitzer heraus gegeben.
Dieser Artikel gibt einige Tipps für Besitzer von Land-Rovern der Britischen Streitkräfte. Gewissheit wird man sich aber nicht immer verschaffen können. Die Reise in die Vergangenheit des eigenen Landies bleibt oft ein Aufspüren von Indizien, was aber nichtsdestoweniger zu einem interessanten Puzzle-Spiel werden kann.
Lack und Ausstattung
Bereits die Lackschichten – und das sind oftmals nicht wenige – geben erste Hinweise auf die Vergangenheit. Hinzu kommen Überbleibsel ehemaliger Ausstattung und der Fahrzeug-Zustand. Hier einige Beispiele...
Ausschließlich oliv in Kombination mit einem völlig unbeschädigten Fahrzeug und 12V Bordspannung könnten ein Hinweis auf ein Dienstfahrzeug sein, dass ausschließlich in Kasernen oder auf Flugplätzen zum Einsatz kam... eine recht unspektakuläre Vergangenheit.

Ehemals rote Kotflügel deuten auf den Einsatz bei einem Bomben-Entschärfungs-Kommando hin. Andere "bunte" Farben, vor allem wenn sie nur an einzelnen Karrosserie-Teilen zu finden sind, sind wohl eher ein Hinweis auf die Verwendung ziviler Ersatzteile bei Reparaturen.
Nicht militärische Farben (häufig hellblau) als ursprüngliche Lackierung bei der Auslieferung finden sich bei Fahrzeugen, die zunächst als Dienstwagen angeschafft, später aber in den Gefechtsdienst übernommen wurden (sogenannte "Commercials").
Eine weiße Farbschicht zwischen anderen (gesprüht oder gepinselt) deutet auf einen UN-Einsatz hin. Hierfür kommen relativ viele Krisen in Frage. Bei welchen ein spezifisches Fahrzeug eingesetzt wurde, kann man meist nur mit weiteren Daten eingrenzen.

Eine sandfarbene Lackschicht (meist gesprüht) zwischen anderen deutet auf einen Wüsten-Einsatz hin. Solche Farbschichten wurden nicht für Manöver, sondern nur im Einsatzfall aufgetragen. Je nach Dienstzeit des Fahrzeugs kommen dafür verschiedene Kriege in Frage, z.B. der Golf-Krieg im Rahmen der Kuwait-Krise 1990 (Operation Desert-Storm). Ein weiteres Indiz kann in diesem Falle auch Wüsten-Sand sein, der sich oft über viele Jahre hartnäckig in den Hohlräumen des Fahrgestells hält.
Einschuss-Löcher sind ganz gewiss ein Indiz für einen Einsatz in einem Kriegs- oder Krisengebiet. Sie sind nicht immer gleich zu erkennen, da sie manchmal wieder zugeschweißt wurden, auch in der Aluminium-Karrosserie.
Datenblatt
Das "Museum of Army Transport" in Großbritannien kann in der Regel Auskunft über die Dienstzeit einzelner Fahrzeuge geben, sofern Fahrgestell-Nummer und das ehemalige Militär-Kennzeichen bekannt sind. Die Adresse findet Ihr in unserer Adressen-Sammlung.
Die Angaben, die man dort erhält, sind allerdings sehr knapp und bestehen lediglich aus einer Sammlung von Zahlen, Datums-Angaben und Abkürzungen. Hier das Datenblatt zu Thorsten Baumanns LR 109 Serie III:
Das mag auf den ersten Blick so aussehen, als habe man das Geld für die Info umsonst gezahlt. Doch die Mitglieder der EMLRA – The Ex-Military Land-Rover Association können weiterhelfen. In Thorstens Fall gab Mark Cook folgende Auskunft (sinngemäß wiedergegeben):
- CQ163Y, Hunting Engineering Ltd. stellt militärische Funkgeräte her
- CA010A ist ein Fahrzeug-Depot in Hilton
- CA005A ist ein Fahrzeug-Depot in Ashchurch
- CA273A ist ein Fahrzeug-Depot in Antwerpen
- A0112A SCOTS DG = The Royal Scots Dragoon Guards
- A0117A QOH = Queens Own Highlanders
- A0557A 3 RRF = 3 Battalion, Royal Regiment of Fusiliers
- A2453A QRH = Queens Royal Hussars
- CA274A ist das Ausmusterungslager in Mönchen-Gladbach
Daraus ergibt sich grob die folgende Historie: Das Fahrzeug wurde als Funkwagen ausgestattet und dann über drei Stationen aufs Europäische Festland gebracht. Offensichtlich erst 7 Jahre nach seinem Bau (!!!) wurde der Landy erstmals bei einem Regiment in den Dienst gestellt, durchlief dann Dienste bei drei weiteren Regimentern und wurde schließlich in Mönchengladbach verkauft.
Der nächste Schritt ist dann das Internet. Praktisch alle Britischen Regimenter verfügen über eigene Websites, auf denen auch die Einsätze in Krisen- oder Kriegsgebieten aufgeführt sind. Die Eingabe der Abkürzungen oder vollen Regiments-Namen bei google.de reicht in der Regel für eine umfangreiche Trefferliste.
Datums- und Standort-Vergleiche sowie das Sammeln kleiner Informations-Häppchen von diesen Websites – unter Hinzuziehung der oben aufgeführten "Analyse" des Fahrzeugs und seiner Lackschichten – können dann schon ein deutlicheres Bild von der Vergangenheit des Landys zeichnen.
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